Finden Sie Ihren persönlichen Spitzenkandidaten, indem Sie den namentlichen Abstimmungen der letzten Legislaturperiode Ihre eigene Meinung gegenüberstellen! Sind Ihnen zu viele Abstimmungen zu ähnlich, dann wählen Sie für die meisten dieser Abstimmungen "egal".
Motivation für dieses kleine Progrämmchen war der Wahl-O-Mat. Dabei stellte ich häufig fest, dass mir Parteien empfohlen worden, die in der Politik selten meine Interessen vertreten haben. Ein wichtiger Grund dürfte sein, dass Wahlprogramme häufig gar nicht oder ganz anders als erwartet umgesetzt wurden. Wir kennen das hinreichend vom Antragswettbewerb bei öffentlichen Ausschreibungen, bei Forschungsförderung und Exzellenzinitiativen. Den Auftrag bzw. die Förderung bekommen zwangsläufig die Bewerber mit dem schönsten Antrag, nicht die mit der (nach welchen Kriterien auch immer) besten Umsetzung.
Deswegen dachte ich mir, dass es doch besser sei, Kandidaten und Parteien an Ihren Taten zu messen. Die leicht zu erfassenden Taten von Politikern sind Ihre Beiträge zu Abstimmungen. So lasse ich nun die Meinungen von Benutzern mit der Tatensammlung von Abgeordnetenwatch vergleichen. Der Nachteil dieser Methode ist offensichtlich, dass nur Kandidaten und Parteien berücksichtigt werden, welche schon im Bundestag vertreten sind. Neue und kleine Parteien, wie das Bündnis Grundeinkommen, fallen dabei leider durch's Raster. Da diese sich noch nicht mit Abstimmungstaten hervortun konnten, bleibt für diese zunächst nur der Wahlprogrammvergleich mit dem Wahl-O-Mat. Ein weiterer Nachteil ist offensichtlich, dass Sie nur über Themen abstimmen können, die der Bundestag bereits auf dem Schirm hat. Themen, die vom Bundestag ignoriert werden, werden auch von meinem Fragebogen ausgespart. Dieses Problem teilt mein Ansatz mit dem Wahl-O-Mat. Ein ähnliches Problem betrifft die Einschränkung auf namentliche Abstimmungen. Bei nicht-namentlichen Abstimmungen könnten wir wenigstens noch die Wählermeinung mit dem Gesamtabstimmergebnis im Bundestag vergleichen. Bislang versucht mein Programm das nicht. Und dann nehme ich die Daten von Abgeordnetenwatch.de und dieses Portal schränkt die Auswahl an Abstimmungen noch einmal ein.
Wie wird nun Ihre Meinung mit der Abstimmung eines Politikers verglichen? Zunächst wird der Stimme des Politikers bei einer Abstimmung ein Zahlenwert zugewiesen.
Ihre Meinung wird ganz ähnlich übersetzt:
Sobald Sie Ihre Auswahl mit "Nimm dies!" abgeschlossen haben, werden zu jedem Thema die Zahlenwerte zur Politikerstimme mit dem Zahlenwert für Ihre Meinung - man höre und staune - multipliziert! Anschließend werden alle diese Produkte addiert. Die Politiker werden Ihnen in der Reihenfolge absteigender Gesamtpunktzahl präsentiert. Eine positive Gesamtpunktzahl heißt, dass sie mit einem Politiker eher übereinstimmen als von ihm abweichen. Eine Gesamtpunktzahl nahe Null heißt, dass sich Übereinstimmung und Abweichung die Waage halten. Eine negative Gesamtpunktzahl heißt, Sie ahnen es schon, dass sie mit einem Politiker völlig überkreuz liegen. Das Maximum der erreichbaren Punkte für einen Politiker hängt von Ihrer Auswahl ab. Zum Test, ob Sie das Verfahren verstanden haben, könnten Sie sich überlegen, wie sich die Maximalpunktzahl errechnet!
Wären wir hier im Fernsehen, dann würden Sie kurz damit abgefertigt werden, dass dieses Verfahren von einem gewissen Dr. Henning Thielemann ersonnen wurde. Sie würden sich dann denken, dass das schon seine Richtigkeit haben wird, weil's ja von einem Experten kommt. Wir sind aber nicht im Fernsehen und deswegen möchte ich erläutern, wieso ich die Punktzahlen multipliziere und nicht zum Beispiel absolute Differenzen zwischen Zahlenwerten von Benutzer und Abgeordneten berechne.
Die ganz kurze Erklärung ist die, dass aus der Cauchy-Scharzschen Ungleichung folgt, dass das Skalarprodukt von zwei normierten Vektoren maximal wird, wenn beide Vektoren gleich sind und minimal wird, wenn ein Vektor die Negation des anderen Vektors darstellt. Sie denken sich, dass ich Sie nur mit ein paar Fremdwörtern foppen will? Schauen Sie ruhig nach! Ich erwähne das nur, falls mal jemand daran zweifeln sollte, dass lineare Algebra zu etwas nütze ist. Na gut, der aufmerksame Leser wird kontern, dass die Vektoren hier gar nicht normiert sind. Das führt jetzt aber wirklich zu weit!
Nun zur intuitiven Erklärung: Nehmen wir an, Sie hätten mit "Ja" (=1) gestimmt und ein Politiker auch. Dann schlägt das mit einem Sympathiepunkt zwischen Ihnen und diesem Politiker zu Buche. Erlaubt sich der Politiker eine gegenteilige Meinung ("Nein" = -1), bekommt er gar einen Sympathiepunkt abgezogen. Haben Sie mit "Unbedingt!" (=2) gestimmt, dann sollte sich ein Politiker hüten, "Nein" gewählt zu haben, denn dann hätte er schon zwei Miese kassiert. Besser würde ihm in diesem Falle ein "Ja" stehen, denn da würde er 2 Punkte gutgeschrieben bekommen. Wir sehen also, dass die verstärkte Form von "Ja" einer Frage mehr Gewicht verleiht.
Das geniale ist, dass das auch andersherum funktioniert. Wenn Sie mit "Nein" (= -1) gestimmt haben und ein Politiker auch, dann führt auch das zu einem Sympathiepunkt, denn Minus mal Minus ist bekanntlich Plus! Wir fassen also zusammen: Gleiche Meinung bedeutet gleiche Vorzeichen bedeutet Sympathiepunkte. Abweichende Meinung bedeutet verschiedene Vorzeichen bedeutet Antipathiepunkte.
Wie wirken sich aber Stimmenthaltungen aus? Wenn Sie "egal" auswählen, dann werden die entsprechenden Politikerstimmen mit null multipliziert, wirken sich also überhaupt nicht aus. Es ist dann für die Gesamtpunktzahl tatsächlich egal, wie der Politiker bei diesem Thema gestimmt hat. Funktioniert das auch andersherum? Wenn sich ein Politiker der Stimme enthält, wird Ihre Auswahl mit Null multipliziert. Ist das sinnvoll? Bloß weil sich der Politiker enthält, ist doch Ihnen das Thema nicht egal! Dass unsere Berechnung auch in diesem Falle sinnvoll ist, erkennen Sie daran, dass ein Politiker, der sich enthält, keine Sympathiepunkte bekommen kann. Relativ fällt er also hinter die Politiker zurück, die in der gleichen Frage so gestimmt haben wie Sie.
Ich hoffe, dass ich einigermaßen plausibel machen konnte, warum mein Bewertungsverfahren funktioniert. Es bleiben aber einige Probleme. Zum Beispiel gibt es Abstimmungen, die öfter neu aufgelegt werden, zum Beispiel die über die Fortführung des Kosovo-Krieges oder über eine Diätenerhöhung. Man kann davon ausgehen, dass sowohl Politiker als auch Sie liebe Benutzer meistens bei jeder dieser Abstimmungen das gleiche wählen werden. Dass die Abstimmung dennoch mehrfach auftaucht, führt dazu, dass Ihre Meinung zu diesem Thema besonders stark gewichtet wird. Wollte ich anfangen, einzelne Abstimmungen wegen der Wiederholung auszulassen, käme ich schnell in die Gewissensfrage, welche Abstimmung als Wiederholung anzusehen ist. Soll man zum Beispiel die verschiedenen Abstimmungen zu Mindestlöhnen zusammenfassen? Nein, nein, da mache ich mir lieber nicht die Finger schmutzig. Nach obiger Erklärung wissen Sie aber, wie man eine Abstimmung irrelevant macht: Sie wählen einfach "egal". Wenn Sie für alle ähnlichen Abstimmungen bis auf eine "egal" wählen, dann wird nur die eine Nicht-Egal-Abstimmung gewertet.
Weiter gibt es das Problem, dass manche Abgeordnete nicht die ganze Legislaturperiode über im Bundestag waren. Für Abstimmungen, an denen Sie deshalb nicht teilnehmen konnten, nehmen wir eine Stimmenthaltung an. Wir wissen selbstverständlich nicht, wie der Abgeordnete da gestimmt hätte. Diese Annahme kann daher in die eine wie in die andere Richtung verzerren. Aber Hand auf's Herz: Machen Sie sich auch so viele Gedanken, wenn Sie ein Hochschulranking vom Centrum für Hochschulentwicklung von Bertelsmann oder ein Länderranking aus dem gleichen Hause lesen? Na sehen Sie! Also konsumieren Sie einfach die Ergebnisse, die mein Programm liefert und halten Sie sich aus den Details heraus. Vertrauen Sie dem Experten, so wie Sie es sonst auch tun! Alles klar?
Wenn Sie sich auch sonst für Politik interessieren, so empfehle ich Ihnen zum Beispiel folgende Seiten: